Ratgeber
Was ein Stillstand wirklich kostet
Wer den Stundensatz eines Monteurs vergleicht, vergleicht den kleinsten Posten. Die Rechnung, die zählt, hat drei Zeilen — und die dritte ist meist größer als die beiden anderen zusammen.
Die Reparatur ist selten der teure Teil. Teuer ist die Zeit davor — und die lässt sich rechnen.
Die drei Posten eines Stillstands
Ein ungeplanter Anlagenstillstand kostet an drei Stellen Geld, und die meisten Betriebe rechnen nur an einer davon nach.
Erstens die Instandsetzung selbst — Arbeitszeit, Material, Ersatzteil. Das ist der Posten, für den es eine Rechnung gibt, und deshalb der einzige, der zuverlässig auftaucht. Zweitens die Folgekosten — Sonderfahrten, Nacharbeit, Umplanung in der Schicht, im schlechten Fall eine Konventionalstrafe. Drittens der entgangene Deckungsbeitrag: Was die Linie in dieser Zeit produziert hätte und nicht produziert hat.
Der dritte Posten ist der einzige, der nicht von der Reparatur abhängt, sondern nur von der Uhr. Er läuft weiter, während gesucht, telefoniert, bestellt und gefahren wird.
Warum die Wartezeit fast immer dominiert
Zerlegt man einen typischen ungeplanten Stillstand, ergibt sich fast immer dasselbe Bild: Die reine Zeit an der Maschine ist überschaubar. Ein Lagerwechsel ist in einigen Stunden erledigt, ein Schütz in Minuten. Die Stunden entstehen davor.
- Diagnose — bis feststeht, was genau ausgefallen ist
- Beschaffung — bis das richtige Teil greifbar ist, inklusive Lieferzeit
- Verfügbarkeit — bis jemand da ist, der die Anlage kennt
- Freigabe — bis Schaltberechtigung, Zugang und Zeitfenster geklärt sind
Wer Stillstandskosten senken will, dreht deshalb selten an der Reparatur. Er dreht an diesen vier Punkten. Das ist unspektakulär und wirkt sofort.
Den eigenen Stundensatz ermitteln
Für die Rechnung brauchen Sie eine einzige Zahl: was eine Stunde Stillstand dieser Anlage kostet. Eine belastbare Näherung bekommen Sie so: Deckungsbeitrag der Linie pro Jahr geteilt durch die geplanten Produktionsstunden pro Jahr. Dazu addieren Sie die Personalkosten, die in der Stillstandszeit trotzdem anfallen. Wer es genauer braucht, fragt im Controlling nach — die Zahl existiert dort meistens schon.
Zwei Fehler sind häufig: Der Satz wird zu niedrig angesetzt, weil nur Personal gerechnet wird. Und er wird über alle Anlagen gemittelt, obwohl der Engpass in der Kette den Preis macht — bei einer verketteten Linie steht bei einem Ausfall alles, nicht nur die betroffene Station.
Was sich davon senken lässt
Die Instandsetzungsdauer ist weitgehend physikalisch bestimmt. Die Wartezeit ist es nicht. Drei Hebel wirken erfahrungsgemäß am schnellsten:
- Kritische Teile bevorraten. Nicht alles, sondern das, was lange Lieferzeit hat und bei Ausfall die ganze Linie stoppt.
- Anlagenkenntnis sichern. Wer die Anlage schon einmal offen hatte, diagnostiziert in einem Bruchteil der Zeit.
- Erreichbarkeit verbindlich regeln. Eine feste Absprache ersetzt die Suche nach einem freien Betrieb im Störungsfall.
Alle drei sind organisatorisch, nicht technisch. Deshalb rechnen sie sich meist im ersten Jahr.
Rechnen Sie kurz mit
Drei Zahlen aus Ihrem Betrieb — das Ergebnis ist die Größenordnung, um die es geht.
Deckungsbeitrag plus mitlaufende Personalkosten.
Nur ungeplante, keine Wartungsfenster.
Von der Meldung bis „läuft wieder" — inklusive Wartezeit.
– €
Unverbindliche Orientierung mit Ihren eigenen Zahlen — kein Angebot.
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